Es gibt Themen im Leben mit Hund, über die man als Hundebesitzer lieber schweigt. Kotfressen gehört definitiv dazu. Kaum jemand spricht gern darüber, und doch betrifft es deutlich mehr Hundehalter, als man denkt. Der Spaziergang läuft eigentlich gut, die Leine ist locker, dein Hund schnuppert konzentriert am Wegesrand – und plötzlich bleibt er stehen. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit reicht, und schon ist es passiert – der Hund frisst Kot.
Während du innerlich zwischen Ekel, Scham, Sorgen und Fassungslosigkeit schwankst, stellt sich sofort diese eine Frage: Warum macht mein Hund das? Und dicht gefolgt von der zweiten: Wie bekomme ich dieses Verhalten wieder in den Griff?
So unangenehm das Thema auch ist – Kotfressen beim Hund ist kein Zeichen von Unsauberkeit, fehlender Erziehung oder „schlechtem Benehmen“. In den allermeisten Fällen steckt eine konkrete Ursache dahinter. Und genau dort liegt auch der Schlüssel zur Lösung.
Kot fressen beim Hund: kein Tabu für den Vierbeiner
Was für uns Menschen unvorstellbar ist, unterliegt für Hunde einer völlig anderen Bewertung. Kot ist für unsere Vierbeiner zunächst einmal ein stark riechender Träger von Informationen. Er erzählt etwas über andere Tiere, über Futter, Gesundheitszustand und Revier. Dass manche Hunde ihn nicht nur beschnuppern, sondern auch fressen, ist aus menschlicher Sicht schockierend – aus hündischer Sicht aber kein moralisches Problem.
In der Wissenschaft spricht man beim Fressen von Kot von Koprophagie. Dabei kann es sich um das Fressen des eigenen Kots handeln, um Ausscheidungen anderer Hunde oder auch um Hinterlassenschaften von Katzen, Pferden oder Wildtieren aus dem Garten. Wichtig ist: Koprophagie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern fast immer ein Symptom. In diesem Artikel erfährst du mehr über das unangenehme Verhalten und was du tun kannst, wenn dein Hund Kot frisst.
Warum frisst mein Hund Kot?
Die Ursachen und Gründe für Kotfressen sind vielfältig und überschneiden sich häufig. Selten gibt es den einen Auslöser, wenn ein Hund Kot frisst. Viel häufiger ist es ein Zusammenspiel aus körperlichen, ernährungsbedingten und emotionalen Faktoren und Verhaltensweisen.
Ernährung und Nährstoffversorgung als Basis
Eine der häufigsten Ursachen liegt in der Ernährung. Bekommt der Hund ein Futter, das zwar satt macht, aber nicht optimal verwertet wird, kann es zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen kommen, der sich auf die Gesundheit auswirken kann. Der Körper signalisiert dann: Es fehlt etwas.
Kot kann in solchen Fällen für den Hund noch nach passendem Futter riechen, weil:
- Nährstoffe nicht vollständig aufgenommen wurden
- unverdaute Bestandteile im Kot verbleiben
- die Verdauung nicht effizient arbeitet
Vor allem sehr stark verarbeitete Futtermittel mit vielen Füllstoffen können dazu beitragen, dass der Hund trotz regelmäßiger Mahlzeiten ständig auf der Suche nach den fehlenden Nährstoffen ist.
Verdauungsprobleme und gestörte Darmflora
Eng mit der Ernährung verbunden ist die Darmgesundheit. Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten oder arbeitet die Bauchspeicheldrüse nicht optimal, können wichtige Enzyme fehlen. Die Folge: Das Futter wird nicht vollständig aufgeschlossen.
Für den Hund bedeutet das, dass der Kot:
- intensiver riecht
- für ihn noch verwertbar erscheint
- eine Art „attraktive Mahlzeit“ darstellt
Gerade Hunde mit wiederkehrendem Durchfall, stinkenden Blähungen oder sehr großen Kotmengen zeigen in der Praxis überdurchschnittlich häufig Koprophagie.
Stress, Unsicherheit und emotionale Faktoren
Nicht immer ist der Körper der Auslöser. Viele Hunde fressen Kot aus Stress oder innerer Unruhe. Veränderungen im Alltag, mangelnde Sicherheit, Überforderung oder auch Unterforderung können dazu führen, dass der Hund nach selbstbelohnenden oder beruhigenden Strategien sucht.
Kotfressen kann in solchen Fällen:
- stressreduzierend wirken
- eine Ersatzhandlung sein
- kurzfristig Sicherheit vermitteln
Besonders sensibel reagieren Tiere, die wenig Struktur haben oder deren Bedürfnisse nach Ruhe und Beschäftigung nicht im Gleichgewicht sind.
Erlerntes Verhalten aus der Welpenzeit
Instinktives Verhalten kann ebenfalls eine Rolle spielen. Hunde tragen noch heute Verhaltensmuster ihrer wilden Vorfahren in sich. Vor allem Welpen erkunden ihre Umwelt mit dem Maul über Geruch und Geschmack. Dazu gehört leider auch, dass Welpen an Kot schnüffeln oder ihn ablecken – ein Verhalten, das in dieser Entwicklungsphase nicht ungewöhnlich ist. Das ist normal. Problematisch wird es, wenn Kotfressen:
- unbeabsichtigt belohnt wird (z. B. durch Aufmerksamkeit)
- nicht unterbrochen wird
- mit Stress oder Strafe verknüpft ist
Ein zu hartes oder inkonsequentes Sauberkeitstraining kann bei Welpen ebenfalls dazu führen, dass Hunde beginnen, ihren eigenen Kot zu fressen – nicht aus Trotz, sondern um „vorsorglich Spuren zu beseitigen“ und nicht vom Menschen bestraft zu werden.
Welche Risiken hat Kotfressen beim Hund?
So nachvollziehbar manche Ursachen sind: Kotfressen ist nicht harmlos. Besonders fremder Kot kann ernsthafte Risiken bergen.
Dazu gehören:
- Parasiten wie Würmer oder Giardien
- Bakterien und Krankheitserreger
- Rückstände von Medikamenten oder Entwurmungsmitteln
- erneute Magen-Darm-Erkrankungen
Hinzu kommen praktische Probleme wie starker Maulgeruch, Zahnprobleme und nicht zuletzt das ungute Gefühl für uns Menschen, das mit dem Kot fressen einhergeht.
Was wirklich hilft gegen Kotfressen beim Hund
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Strafe hilft nicht, wenn der Hund frisst. Sie verschärft Unsicherheit und Stress – und damit oft auch das Verhalten. Erfolgreich ist ein Ansatz, der Ursachen erkennt und gezielt angeht.
Die Ernährung kritisch überprüfen
Eine hochwertige, gut verdauliche Ernährung ist die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden. Ziel ist es, den Hund optimal zu versorgen, damit kein Mangel entsteht. In vielen Fällen lohnt es sich, die Fütterung gemeinsam mit einer Fachperson zu überprüfen oder durch Tierärztin oder Tierarzt abklären zu lassen.
Verdauung gezielt unterstützen
Ist der Magen-Darm-Trakt aus dem Gleichgewicht, kann es sinnvoll sein, diesen gezielt zu stabilisieren. Dazu gehören:
- eine ruhige Fütterung
- leicht verdauliche Kost bei akuten Problemen
- Aufbau einer gesunden Darmflora
Auch hier gilt: weniger Aktionismus, mehr Beobachtung.
Management im Alltag – ohne Drama
Solange das Fressverhalten besteht, ist gutes Management entscheidend. Das bedeutet:
- Kot möglichst schnell entfernen
- den Hund draußen im Blick behalten
- Situationen vermeiden, in denen er Erfolg hat
Management ist keine Kapitulation, sondern ein wichtiger Teil der Lösung.
Verhaltenstraining statt Druck
Parallel zum Management sollte mit dem Hund ruhig und konsequent trainiert werden. Ein zuverlässiges Abbruchsignal, ein gut aufgebauter Rückruf und gezielte Belohnung für gewünschtes Verhalten helfen langfristig mehr als jede Strafmaßnahme, wenn der Hund Kot frisst.
Mehr Balance statt mehr Action
Nicht jeder Hund braucht mehr Beschäftigung – manche Tiere brauchen mehr Ruhe. Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis aus:
- Bewegung
- geistiger Auslastung
- Entspannung
Tipps: Ein Hund, der innerlich im Gleichgewicht ist, zeigt deutlich seltener problematische Ersatzhandlungen.
Wann das Fressen von Kot du tierärztlich abklären solltest
Eine Untersuchung durch Tierärztin oder Tierarzt ist besonders wichtig, wenn:
- das Kotfressen plötzlich beginnt
- weitere Symptome auftreten
- der Hund Gewicht verliert
- chronische Verdauungsprobleme bestehen
Koprophagie kann ein Hinweis auf ein gesundheitliches Problem sein – und sollte dann ernst genommen werden.
Fazit: Kotfressen ist kein Grund zur Scham
Kotfressen beim Hund ist ohne Frage unangenehm. Es löst Ekel aus, verunsichert und bringt viele Hundebesitzer in Erklärungsnot. Doch so verständlich diese Reaktion ist: Kotfressen ist kein Zeichen von Versagen – weder von dir noch von deinem Vierbeiner. Es ist ein Hinweis darauf, dass im Körper, im Verhalten oder im Alltag etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und genau deshalb verdient es Aufmerksamkeit statt Verurteilung.
Hunde handeln nicht aus Trotz, Provokation, Langeweile oder „Ungezogenheit“. Sie reagieren auf innere Zustände, auf Stress, auf körperliche Bedürfnisse oder auf erlernte Muster. Wer Kot fressen nur unterdrücken will, bekämpft das Symptom – nicht die Ursache. Wer hingegen bereit ist, genauer hinzuschauen, schafft die Grundlage für echte Veränderung.
Wichtig: Wenn dein Hund regelmäßig oder plötzlich Kot frisst, zusätzlich weitere Symptome zeigt (Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust, Auffälligkeiten beim Kot) oder du unsicher bist, solltest du unbedingt eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen. Eine fachliche Untersuchung ist essenziell, um gesundheitliche Ursachen, wie Krankheitserreger, Parasitenbefall oder Krankheiten, sicher auszuschließen. Nur so lässt sich das Verhalten nachhaltig und sicher behandeln.
Der Weg aus der Koprophagie führt selten über schnelle Lösungen oder einzelne Hausmittel. Nachhaltige Erfolge entstehen dort, wo Ernährung, Verdauung, emotionale Stabilität und Alltag gemeinsam betrachtet werden. Das braucht Zeit, Geduld und manchmal auch professionelle Unterstützung – ist aber in den meisten Fällen gut machbar.
Vor allem aber braucht es eines: Ruhe. Maßnahmen, wie Druck, Scham oder Strafe verschärfen das Problem meist, während Verständnis, Struktur und konsequentes, freundliches Handeln dem Hund Sicherheit geben. Schritt für Schritt kann so aus einem belastenden Thema wieder Normalität werden.
Häufige Fragen zum Kotfressen beim Hund
Was kann ich meinem Hund geben, wenn er Kot frisst?
Wenn ein Hund Kot frisst, sollte man nicht vorschnell zu einzelnen Pulvern oder Mitteln greifen. Sinnvoll ist zunächst, die Grundversorgung über das Futter zu überprüfen. Ein hochwertiges, gut verdauliches Futter mit hoher Nährstoffdichte bildet die Basis für Darmgesundheit. Die Ernährung sollte deshalb in den Blick genommen werden.
Je nach individueller Situation kann es außerdem hilfreich sein, die Verdauung gezielt zu unterstützen, zum Beispiel durch den Aufbau einer stabilen Darmflora oder eine vorübergehende Fütterung von leicht verdaulicher Schonkost. Welche Ergänzungen sinnvoll sind, hängt stark von der Ursache ab und sollte idealerweise tierärztlich oder ernährungsfachlich begleitet werden.
Welche Nährstoffe fehlen, wenn ein Hund Kot frisst?
Kotfressen kann ein Hinweis auf einen Nährstoffmangel oder eine unzureichende Nährstoffverwertung sein. Häufig diskutiert werden Defizite oder Ungleichgewichte bei:
- Vitaminen (z. B. B-Vitamine)
- Mineralstoffen
- Spurenelementen
- Verdauungsenzymen
Wichtig zu wissen: Nicht immer fehlt der Nährstoff im Futter – manchmal kann der Körper ihn schlicht nicht ausreichend aufnehmen oder im richtigen Maße verwerten. Deshalb ist eine pauschale Supplementierung ohne Abklärung nicht empfehlenswert.
Was kann ich tun, wenn mein Hund seinen eigenen Kot frisst?
Frisst ein Hund seinen eigenen Kot, spielen häufig emotionale Faktoren, Verdauungsprobleme oder erlernte Verhaltensmuster eine Rolle. Sinnvoll ist ein mehrstufiges Vorgehen:
- den Kot konsequent entfernen
- Stress und Druck vermeiden
- Fütterung und Verdauung überprüfen
- ruhiges Training statt Strafe einsetzen
Bestrafung verschärft das Problem meist, da sie Unsicherheit verstärkt. Ziel ist es, dem Hund Sicherheit zu geben und die Ursache nachhaltig zu beheben.
Warum erbricht mein Hund Kot?
Erbricht ein Hund Kot oder kotähnliches Material, ist das immer ein ernstzunehmendes Warnsignal. Mögliche Ursachen und Gründe können sein:
- Aufnahme von verdorbenem oder stark belastetem Kot
- massive Magen-Darm-Reizung
- Fremdkörper oder Verstopfung
- schwerwiegende Verdauungsstörungen
In diesem Fall sollte umgehend tierärztlich abgeklärt werden, was die Ursache ist. Erbrechen nach Kotaufnahme ist kein normales Begleitsymptom und sollte nicht abgewartet oder mit Hausmitteln behandelt werden.
Was tun, wenn mein Hund regelmäßig seinen Kot frisst?
Dein Hund frisst Kot regelmäßig? Wenn das Kotfressen häufiger auftritt, reicht eine einzelne Maßnahme meist nicht aus. Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung:
- gesundheitliche Ursachen ausschließen
- Ernährung und Futterqualität überprüfen
- Darmparasiten und andere Parasiten abklären lassen
- Alltag, Stresslevel und Auslastung hinterfragen
- konsequentes, ruhiges Management etablieren
Regelmäßige Koprophagie ist in vielen Fällen ein Zeichen dafür, dass etwas nicht Gleichgewicht ist und dein Hund eventuell Hilfe braucht.
Was ist das Pica-Syndrom bei Hunden?
Das Pica-Syndrom beschreibt ein Verhalten, bei dem Hunde wiederholt nicht essbare oder ungewöhnliche Substanzen aufnehmen, zum Beispiel: der Hund frisst Kot, Erde, Steine oder Stoff.
Pica kann in der Praxis verschiedene Ursachen haben:
- Nährstoffmängel
- Verdauungsprobleme
- Stress oder Langeweile
- neurologische oder hormonelle Erkrankungen
Tipps: Nicht jedes Kotfressen ist automatisch ein Pica-Syndrom. Besteht das Verhalten jedoch dauerhaft oder tritt zusammen mit anderen ungewöhnlichen Fressgewohnheiten auf, ist eine tierärztliche Abklärung dringend angeraten.
Warum hilft Harzer Käse gegen Kotfressen bei Hunden?
Harzer Käse wird häufig als Hausmittel gegen Kotfressen genannt, da er:
- sehr eiweißreich
- fettarm
- stark riechend
Die Erklärung dahinter ist, dass der Kot durch die Fütterung für den Hund weniger attraktiv riecht oder schmeckt. Wissenschaftlich belegt ist diese Wirkung jedoch nicht eindeutig.
In manchen Fällen berichten Hundehalter von einer Verbesserung, in anderen zeigt sich kein Effekt. Harzer Käse kann daher unterstützend ausprobiert, sollte aber nicht als alleinige Lösung betrachtet werden und ist nicht für jeden Hund geeignet.
Was hilft wirklich gegen Kotfressen beim Hund?
Was wirklich hilft, hängt immer von der individuellen Ursache ab. Nachhaltige Erfolge zeigen sich vor allem dann, wenn:
- die Ernährung hochwertig und gut verwertbar ist
- die Verdauung stabilisiert wird
- Parasiten behandelt werden
- Stress reduziert und Sicherheit aufgebaut wird
- Training ruhig, konsequent und ohne Strafe erfolgt
Egal, ob im Garten oder beim Spaziergang: Kotfressen bei Welpen und erwachsenen Hunden ist kein Problem, das sich „wegschimpfen“ lässt. Es lässt sich jedoch sehr gut beeinflussen, wenn man bereit ist, Ursachen zu erkennen statt Symptome zu unterdrücken.
