Ernährung
Labrador Futter: Menge, Gewicht und Gelenke richtig steuern

Labrador Futter richtig zu dosieren heißt vor allem, die Menge zu kontrollieren. Rund 41 Prozent der Labradore sind zu schwer, oft aus genetischen Gründen. Wer die Portion steuert, legt das Fundament für ein langes Hundeleben.
Warum die Labrador Ernährung so besonders ist
Der Labrador Retriever ist Spitzenreiter beim Übergewicht.
In einer Kohorte von 1.738 Labradoren waren 35,9 Prozent zu schwer und 5,2 Prozent adipös.
Viele Labrador Retrievers neigen schon genetisch zum Ansetzen.
Das erklärt, warum die Labrador Ernährung mehr Disziplin verlangt als bei anderen Hunderassen.
Die POMC-Mutation im Gen
Eine Studie der Universität Cambridge (Raffan et al., 2016) fand eine Mutation im POMC-Gen, die die Sättigung stört.
Pro Genkopie bringt ein Labrador 1,9 Kilogramm mehr auf die Waage.
Dazu kommt eine um 9,9 Prozent höhere Futtermotivation. Die Mutation gibt es fast nur beim Labrador und beim Flat-Coated Retriever.
Der bettelnde Labrador ist kein Erziehungsversager
Wenn dein Labbi bettelt, ist das kein Zeichen schlechter Erziehung.
Der Fresstrieb ist genetisch mitbedingt. Die Portionskontrolle liegt bei dir.
Drei Gegenstrategien helfen deinem Vierbeiner:
- Feste Zeiten geben Struktur und Ruhe.
- Ein Anti-Schling-Napf bremst hastiges Fressen.
- Snacks kommen aus der Tagesration, nicht obendrauf.
Wie viel Futter Labrador-Halter einplanen sollten
Eine feste Grammzahl gibt es nicht. Der Bedarf hängt von Gewicht, Aktivität, Alter und Kastrationsstatus ab.
Eine grobe Tabelle ersetzt den Blick auf den eigenen Hund nicht.
Der Rechenweg über Kilokalorien
Grundlage ist der Ruheenergiebedarf, kurz RER. Die WSAVA-Formel lautet: RER = 70 x (Körpergewicht in kg) hoch 0,75.
Für einen 30-Kilogramm-Labrador ergibt das rund 900 Kilokalorien Grundumsatz. Darauf kommt ein Aktivitätsfaktor: kastriert etwa das 1,6-Fache, intakt und aktiv das 1,8-Fache.
So kommst du auf 1.400 bis 1.600 Kilokalorien, geteilt durch die Kaloriendichte des Futters.
Die Futtermenge steuerst du über Kalorien, den Umfang der Ration über das Ergebnis.
Die Kastration senkt den Energiebedarf. Reduziere die Futtermenge danach, sonst droht Übergewicht.
Bei erwachsenen Hunden sind zwei Mahlzeiten am Tag Standard.
Prozent vom Körpergewicht: Trockenfutter oder Nassfutter?
Zwei Faustregeln meinen unterschiedliches Futter. Für Trockenfutter gelten grob 2 bis 3 Prozent des Körpergewichts, für wasserreiches Frisch- oder Barffutter 3 bis 5 Prozent.
Der Grund: Nassfutter liefert weniger Energie pro Gramm.
Body Condition Score: der Handtest für zu Hause
Rüden liegen grob bei 29 bis 36 Kilogramm, Hündinnen bei 25 bis 32 Kilogramm.
Belastbarer ist der Body Condition Score (BCS), eine Skala von 1 bis 9; anzustreben ist 4 bis 5.
Das WSAVA-Tool nennt drei Checks:
- Rippen: Streiche flach über den Brustkorb. Du solltest sie unter einer dünnen Schicht fühlen.
- Taille von oben: Hinter dem Brustkorb sollte sie sich abzeichnen.
- Bauchlinie: Von der Seite ist der Bauch zur Hinterhand hin aufgezogen.
Das passende Futter in jeder Lebensphase
Der Bedarf ändert sich mit dem Alter. Im Wachstum entscheidet die Ernährung über die spätere Gelenkgesundheit.
Welpe: die Kalzium-Falle
In der Ernährung von Labrador-Welpen ist Kalzium die kritischste Größe.
Ein gutes Futter für Labrador-Welpen liefert 0,7 bis 1,2 Prozent Kalzium in der Trockensubstanz.
Ein Überschuss schädigt die Knochen und begünstigt Fehlbildungen wie HD oder OCD, selbst wenn die Kalorien stimmen.
Gib deinem Welpen niemals extra Kalzium oder Vitamin D. Diese Überversorgung schadet mehr, als sie nützt.
Lass ihn nicht zu schnell wachsen. Welpen mit freiem Zugang bekamen schwerere Hüftdysplasien als knapp gefütterte.
Ziel ist eine flache Wachstumskurve, der Welpe schlank mit fühlbaren Rippen.
Mehr dazu im Ratgeber zum Welpenfutter für junge Hunde.
Der erwachsene Labrador
Ab dem ausgewachsenen Alter richtest du die Futtermenge nach dem Aktivitätslevel.
Zwei Mahlzeiten und ein BCS-Check reichen den meisten Hunden.
In der Ernährung erwachsener Labradore zählt der Proteinbedarf nach Auslastung. Ein Sporthund braucht mehr Eiweiß für seine Muskeln.
Details im Beitrag zum Proteingehalt im Hundefutter.
Der Senior-Labrador
Ältere Tiere brauchen weniger Energie: Wenig Bewegung bei gleicher Menge führt schnell ins Übergewicht.
In der Ernährung im Alter hilft ein Diätfutter oder ein Futter der Kategorie Adult Light, das Gewicht zu halten.
Labrador Gewicht: warum Schlanksein mehr bringt als jedes Supplement
Die überzeugendsten Zahlen liefert die Purina Life Span Study mit 48 Labradoren über ein ganzes Leben.
Eine Gruppe bekam dauerhaft 25 Prozent weniger Futter.
Sie lebten im Median 1,8 Jahre länger, 13,0 gegenüber 11,2 Jahren.
Noch deutlicher war der Effekt bei den Gelenken: Mit acht Jahren hatten nur 10 Prozent der schlanken Gruppe Arthrose in zwei Gelenken, in der Kontrolle 77 Prozent.
Es klingt fast zu banal, aber das Körpergewicht ist das Fundament der Gesundheit. Es ist der wichtigste Faktor, den du selbst in der Hand hast.
Warum, vertieft der Artikel zu Hundegesundheit und Langlebigkeit.
Labrador Gelenke schützen: Omega-3 wirkt, Glucosamin kaum
Erst nach dem Gewicht kommen Ergänzungen ins Spiel.
Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) stuft die AAHA-Schmerzleitlinie 2022 als wirksamstes Nutrazeutikum bei Arthrose ein.
Ein Fischöl liefert sie und kann den Bedarf an Schmerzmitteln senken.
Glucosamin und Chondroitin wirken laut AAHA und einer Metaanalyse kaum.
Bei ersten Gelenkproblemen ist ein schlanker Hund im Vorteil. HD und ED sind erblich und werden durch Fehlernährung beim Junghund verschlimmert.
Auch die Napfhöhe zählt bei großen Rassen. Eine Abwägung findest du unter erhöhter Napf für den Hund.
Das Leckerli-Budget in Zahlen
Kleine Belohnungen sind der stille Dickmacher: höchstens 10 Prozent der Tageskalorien aus Extras, abgezogen von der Hauptmahlzeit.
Bei 1.500 Kilokalorien sind das nur etwa 150.
Was in einen guten Napf gehört
Neben der Menge zählt die Zusammensetzung des Futters. Ein Blick auf die Zutaten lohnt sich.
Ein hoher Fleischanteil ist gut. Als Proteinquelle dient meist Muskelfleisch, etwa vom Rind.
Gutes Fleisch bleibt die Basis, ergänzt um pflanzliche Bausteine. Eine ausgewogene Ernährung deckt so den Bedarf an Nährstoffen.
Sinnvolle Bausteine sind zum Beispiel:
- Gemüse wie Karotte oder Kürbis als Ballaststoffquelle.
- Etwas Obst als natürliche Beigabe in kleiner Menge.
- Getreide oder alternative Kohlenhydrate als Energielieferant.
- Hochwertige Fette, dazu Vitamin E als Zellschutz.
- Ein gutes Öl rundet die Ration ab.
Künstliche Zusatzstoffe braucht ein Labrador nicht. Je klarer die Inhaltsstoffe deklariert sind, desto besser.
Ob ein Futter das Label Made in Germany trägt, sagt nichts über die Qualität.
Wichtiger ist ein ausgewogenes Verhältnis, das die Bedürfnisse deines Labradors trifft.
Trockenfutter, Nassfutter oder eine Mischung?
Beide Futtersorten haben ihre Berechtigung. Trockenfutter ist praktisch und energiedicht, Nassfutter enthält mehr Trinkwasser.
Viele mischen beides; die Abwechslung bringt Vielfalt.
Eine Futterumstellung machst du langsam über eine Woche. So vermeidest du Durchfall und schonst die Verdauung.
Die häufigsten Fehler bei der Labrador-Fütterung
Ein paar Tipps gegen typische Fallen:
- Nach Gefühl statt nach Kalorien füttern und den bettelnden Blick als Hunger deuten.
- Snacks nicht mitrechnen und obendrauf statt aus der Ration geben.
- Die Ration nach der Kastration nicht senken, obwohl der Verbrauch sinkt.
- Welpen zu schnell hochfüttern oder extra Kalzium zugeben.
- Auf teure Gelenkzusätze setzen, während der Labrador zu schwer bleibt.
- Sich nur auf die Waage verlassen statt regelmäßig den BCS zu ertasten.
Welches Futter passt, zeigt der Hundefutter-Test 2026.
Ein Rat zum Schluss: Ertaste den Body Condition Score alle zwei Wochen und passe die Futtermenge an. Bleibt dein Labrador Retriever trotz korrekter Ration zu schwer, kläre die Ursache mit deiner Tierärztin ab.
Häufige Fragen zum Labrador-Futter
Wie viel Futter braucht ein ausgewachsener Labrador am Tag?
Das hängt von Gewicht und Auslastung ab. Ein 30-Kilogramm-Labrador braucht etwa 1.400 bis 1.600 Kilokalorien. Teile den Wert durch die Kaloriendichte deines Futters und prüfe ihn über den BCS.
Woran erkenne ich, ob mein Labrador zu dick ist?
Nutze den Handtest: Rippen unter dünner Schicht fühlbar, von oben eine Einbuchtung, von der Seite ein aufgezogener Bauch. Fehlt das, ist dein Hund zu schwer.
Welches Futter ist das richtige für einen Labrador-Welpen?
Ein Welpenfutter für große Hunde mit 0,7 bis 1,2 Prozent Kalzium in der Trockensubstanz. Keine extra Kalzium-Gaben, und lass den jungen Labrador nicht zu schnell wachsen.
Mein Labrador nimmt nicht ab, was kann ich tun?
Rechne die Tagesration ehrlich nach, samt aller Snacks. Reduziere die Kalorien schrittweise und behalte den BCS im Blick. Ohne Erfolg hilft eine Kontrolle der Schilddrüse.
Ist Übergewicht beim Labrador wirklich gefährlich?
Ja. Laut Purina Life Span Study lebten schlanke Labradore im Median 1,8 Jahre länger und hatten mit acht Jahren seltener Arthrose. Zu viele Kilo belasten die Gelenke.
Helfen Gelenk-Supplemente bei Hüftdysplasie?
Omega-3 gilt laut AAHA als wirksamstes Nutrazeutikum bei Arthrose. Glucosamin und Chondroitin wirken kaum. Am meisten hilft ein konsequent schlanker Labrador.
Weitere Beiträge
Die wunderbare Welt der Hunde steckt voller Lebensfreude, treuer Begleiter und kleiner Abenteuer. Sie schenken Liebe, bringen uns zum Lachen und zeigen, wie schön die einfachen Momente sind.